Was – Wie – Wozu

Gespräch mit „Sinnzeit“-Initiator Johannes Simon über Gottes Botschaft im Alltag, Mutmacher und die christliche Freiheit

Knetzgau/Ebern (POW) Vor 15 Jahren hat Pastoralreferent Johannes Simon die Gottesdienstreihe „Sinnzeit“ gestartet. Sie steht seit jeher unter dem Motto „jeden monat anders“ – damit sind nicht nur die unterschiedlichen Themen, sondern auch die Gottesdienstbesucher gemeint, erklärt Simon im folgenden POW-Interview.

POW: „Sinnzeit“ gibt es schon seit 15 Jahren. Wie fällt einem da immer wieder ein neuer Impuls ein?

Johannes Simon: Aufmerksam durch das Leben gehen, Radio hören und in Liedern neue Themen entdecken. Wenn man seinen Mitmenschen zuhört, kann man ihrer und der eigenen Sehnsucht nach Leben auf der Spur bleiben. Grundsätzlich muss man überzeugt sein, dass Gottes Botschaft auch hier und heute Menschen berührt, stärkt und befreit. So bin ich nun in der Tat seit 15 Jahren als „Sinnzeit“-Gestalter unterwegs. Natürlich gibt es Zeiten, wo das Thema nicht gleich auf der Hand liegt. Oder, ebenso fordernd, ich habe zwar ein Thema entdeckt, aber frage mich, wie ich die Andockpunkte zu den Menschen, Gottes Botschaft und den mitwirkenden Musikern schaffe. Aber bisher konnten wir unser Motto auf der Homepage und dem Plakat „jeden monat anders“ immer wieder frisch in der Gestaltung umsetzen.

POW: Wie gehen Sie an die schwierige Frage heran, wo Gott in schwierigen Zeiten ist?

Simon: Das ist eine Schlüsselfrage, die immer wieder aufblitzt. Krankheit, Tod, Menschen auf der Flucht, Scheitern einer Beziehung, Angst vor der Zukunft – die Liste, wo Gott eingreifen und Schicksalsschläge wenden soll, ist sehr lang. Aber Gott fährt nicht mit eiserner Hand dazwischen und formatiert unsere Erde, unser Leben und Zusammenleben neu. Ich glaube daran, dass Gott unser Leben teilt. Er weicht dem Leid nicht aus, sondern gibt Kraft, Gutes zu tun, Mut und Zuversicht zu stiften, an den Nächsten und nicht nur an sich selbst zu denken. Manchmal glaube ich, dass es Gott auch die Tränen ins Gesicht treibt, wenn er sieht, was Menschen einander antun. In der „Sinnzeit“ hat das Leben in seiner Fülle, aber ebenso auch mit seinen Enttäuschungen und Zweifeln Platz. Zum Valentinstag zum Beispiel laden wir im Februar nicht nur die frohen und glücklichen Paare ein, sondern ebenso die, die sich einen Partner wünschen oder einen solchen verloren haben. Nicht nur das Glück, auch das Unglück, die Sehnsucht ist dann Thema.

POW: Erhalten Sie Rückmeldungen von Gottesdienstbesuchern, denen Ihre Impulse geholfen haben?

Simon: Die bekommen wir immer wieder in einem dankbaren Blick beim Verabschieden oder einem kurzen „Es tat heute wieder so gut“. Aber auch per E-Mail oder in einer persönlichen Begegnung. Viele schätzen die Stunde Zeit für sich, für alle Sinne.

Bild: Christiane Reuther Alternative
Bild: Christiane Reuther

POW: Woher nehmen Sie Ihre Texte: aus der Bibel oder auch aus eigenen Überlegungen?

Simon: Sowohl als auch. In der Jubiläums-„Sinnzeit“ hatten wir zum Beispiel als Schrifttext das Statement Gottes, dass der Regenbogen sein Zeichen des Bundes mit den Menschen ist. Dazu bringen wir unsere Gedanken und Überleitungen ein.

POW: Wie wird das Projekt zukünftig fortgeführt?

Simon: Im Sinne von „jeden monat anders“. Die „Sinnzeiten“ werden jeweils am zweiten Sonntag im Monat im Wechsel zwischen Knetzgau und Ebern stattfinden. Die beiden Orte geben den Menschen in unserem Landdekanat Haßberge Erreichbarkeit, und die beiden Kirchenräume uns in der Gestaltung Abwechslung und je eigene Möglichkeiten.

POW: Was wird Thema des „Sinnzeit“-Gottesdienstes im November sein?

Simon: In Anlehnung an Martin Luther und die „Freiheit eines Christenmenschen“ wird das Thema „Frei sein!“ im Mittelpunkt stehen. Pfarrerin Dr. Hedwig Porsch aus Coburg wird die christliche Freiheit näher beleuchten und einen Blick auf moderne Zwänge wagen. Sie hat vor einigen Jahren länger mit mir die „Sinnzeit“ geleitet. Damals war sie katholische Theologin – nun ist sie evangelische Pfarrerin. Auch diese Lebensgeschichte wird Thema in diesem Gottesdienst sein.

POW: Sie richten die „Sinnzeit“ an „Ungläubige“ und „andere gute Christen“. Kommen denn tatsächlich auch Ungläubige zu diesem Angebot?

Simon: Das wüsste ich auch gerne. Es hat ja niemand auf der Stirn stehen, ob er Ungläubiger, Zweifler oder guter Christ ist. Aber Gespräche und die Reflexion des eigenen Lebens und Glaubens zeigen mir, dass jeder Mensch Zeiten des Zweifelns hat, manchmal auch vor Rätseln steht, am Grab eines befreundeten Menschen nicht glauben kann. Aber eben viele Menschen auch ebenso gute Christen sind und zur richtigen Zeit das Angemessene tun und Zuversicht schöpfen.

POW: Sie haben ein Buch mit Texten der „Sinnzeit“ herausgegeben. Ist es eher eine Art Lebensratgeber oder Mutmacher?

Simon: Das Buch „Sinnzeit“ ist eine Sammlung von 21 Themen, die ich aus den zurückliegenden Gottesdiensten ausgewählt habe. Beispiele dafür sind „Was macht mich happy?“, „Die Macht der Worte“, „Wunderland Wundenland Liebe“ und „Gut, nicht fertig“. Die Themen kommen mitten aus dem Leben und führen mitten ins Leben. Ja, sie machen Mut. Das wird mir immer wieder bestätigt. Aber sie laden auch ein, mitunter durch die besondere Gestaltung, die Ausführungen und die modernen Gebete, zu lesen und sozusagen das Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Interview: Carolin Hasenauer (POW) 10/ 2017